Das wirklich stärkste aller Gifte?

Prionen sind in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um Proteine, die andere in eine Kopie ihrer selbst umwandeln können. Da das Prion selbst für den betroffenen Organismus keine Funktion erfüllt, entzieht es ihm somit graduell die Substanz. Das Ergebnis sind irreparable Hirnschäden, welche zum Tod führen. Da Prionen im Gegensatz zu Viren nur aus einem einzigen Molekül bestehen, sind sie strenggenommen keine Mikroorganismen, sondern sich selbst vermehrende Gifte. Nun wird zur Beurteilung der Stärke bzw. der Gefährlichkeit eines Giftes in der Regel die LD50, sprich jene Dosis, bei der 50 % der Betroffenen Tiere sterben, herangezogen. Der offizielle Rekordhalter ist das Botulinumtoxin Typ A. Die Injektion von 1 ng/kg Körpergewicht führt beim Menschen bereits zum Tode. Ausgehend von seinem Molekulargewicht von ca. 150 Kilodalton (kDA)/Molekül kann man sich recht leicht ausrechnen, wie viele Moleküle, dies wären: Knappe 25 Milliarden.

Wie giftig sind nun Prionen? Eine Publikation kommt zu einem besorgniserregenden Schluss: Eine sichere Dosis existiere nicht. Das bedeutet, dass theoretisch ein einzelnes Prion für eine tödliche Dosis ausreichen könnte. Damit wäre ihre Giftigkeit um das 25-Milliardenfache höher, als jene Botulinums. Diese Schlussfolgerung hat jedoch einen Haken: Klassische Gifte lassen sich in der Regel recht einfach aufreinigen. Man kann sie somit in ihrer puren Form studieren. Prionen sind dagegen nicht so leicht vom Gehirn, in dem sie sich vermehren, zu trennen. Um ihre Giftigkeit zu testen, wird Versuchstieren daher einfach ein Teil des infizierten Gehirns ihres verstorbenen Artgenossen verabreicht. Statt einer „echten“ tödlichen Dosis erfahren wir also nur, wie stark infiziertes Gewebe verdünnt werden muss, um noch tödlich zu sein. Dieser Verdünnungsfaktor scheint je nach Art des Prions bei ca. 1012 (1 zu 1 Billion) zu liegen.

Prionen lassen sich somit nur bedingt mit Botulinum vergleichen. Rein chemisch betrachtet ähneln sie sich jedoch: Sie sind beide Proteine. Glücklicherweise kann sich nur eines von ihnen reproduzieren.

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