Wie habe ich es mit dem Gendern? Teil 2: Mein Stil

Es versteht sich im Grunde von selbst, aber ich möchte darauf hinweisen, dass dieser Text ausschließlich meine Meinung wiedergibt. Wenn andere Autoren andere Ausdrucksformen bevorzugen, dann habe ich daran nichts auszusetzen. Es kann nur vorkommen, dass ich deren Werke weniger gern lese. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. In diesem Sinne:

Früher oder später, muss sich jeder deutschsprachige Autor der Sternchenfrage stellen: Wie hast du es mit dem Gendern? Bevor ich diese Frage für mich beantworte, möchte ich sie jedoch etwas präzisieren. Denn meiner Ansicht nach, gliedert sie sich in zwei Teile:

  1. Gendern im Singular

Bei Berufsbezeichnungen verwende ich weitgehend den entsprechenden Genus: Technikerin, Ärztin, Lehrerin, etc.

Das Gleiche gilt für Herkunftsbezeichnungen wie Wienerin, oder Österreicherin.

Eine Ausnahme bilden Anglizismen (z.B.: Gamer). Die englische Sprache ist nun mal etwas weniger präzise, als die Deutsche – was vielleicht mit eine Erklärung für ihre Verbreitung ist.

Kompliziert wird es bei Titeln. Hier verfolge ich keine klare Linie. Eine Aristokratin ist für mich automatisch eine Baroness, Herzogin, Gräfin, etc. Hier scheinen ausnahmsweise alle der gleichen Meinung zu sein. Niemand spricht von einem „Kaiser Sissi“.

Bei akademischen Graden dagegen, neige ich zur geschlechtslosen Form: Doktor, Magister, Diplom-Ingenieur, etc. Einerseits ist aufgrund der Anrede ohnehin klar, um welche Person es sich handelt (Frau Doktor, Herr Doktor), zweitens müsste ich sonst folgerichtig auch englische Titel abändern, für die es keine deutschen Äquivalente gibt. Worte wie „Masterin“ oder „Bachelorin (Bacheloress?)“ sprechen mich nicht an. Bei militärischen Titeln halte ich es ähnlich: Ein General, kann ein Herr, oder eine Dame sein.

Dann gibt es noch Wörter, die fallweise Männer, Frauen, oder beides mitmeinen: Eine „Person“ kann auch männlich, ein „Jemand“ auch weiblich und ein „Genie“ auch beides sein. Hier sehe ich keine Notwendigkeit, diese Worte geschlechtsspezifisch abzuändern.

Interessanterweise wird dies auch bei Schmähwörtern nur sehr selten (wenn überhaupt) praktiziert: Von einer Trottelin oder gar einer Naziin habe ich persönlich noch nicht gelesen. Bei meinen Texten ergibt sich das Geschlecht daher aus dem Kontext statt aus der Wortendung.

  1. Gendern im Plural

Hier wird es interessant (oder verwirrend). Längst spaltet sich die Bevölkerung nicht mehr bloß in Befürworter und Gegner des Genderns. So nennt etwa der Duden lediglich eine Reihe an Optionen. Von einer Festlegung auf die „eine korrekte Form“ ist man also weit entfernt.

Neben der mangelnden Einigkeit, ergibt sich jedoch auch ein logisches Problem: Wenn ein Sonderzeichen (aber nicht das Binnen-I) alle Geschlechter (wie viele es auch geben mag) miteinbezieht, wieso dann nicht der klassische Plural? Wieso ist das Wort „Arbeiter“ weniger inklusiv, als der Begriff „Arbeiter:innen“? Dies erscheint mir etwas willkürlich gewählt. Sicher, jeder soll die Sprachform verwenden, die ihm am gerechtesten erscheint. Meine Wahl fällt allerdings auf den klassischen Plural. Das hat durchaus praktische Gründe. Meine bisherigen Werke fallen im weiteren Sinne in das Genre des Thrillers. Als solche müssen sie ein hohes Lesetempo ermöglichen.

Der Großteil der Romanautoren scheint diese Einstellung zu teilen. Ja, selbst so manche Befürworterin der „gendergerechten Sprache“ vermeidet diese zu Gunsten der Lesbarkeit.

Ich denke gerne quer. In diesem Fall jedoch, schließe ich mich der Mehrheit an.

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