Chloroquin: Zu früh gefreut? Oder: Wie weit kann Euphorie gehen?

In meinem letzten Beitrag habe ich eine Studie erwähnt, die für viel Wirbel gesorgt hat. Korrekter- bzw. selbstverständlicher Weise muss hier gesagt werden, dass ich selbst erst relativ spät auf dieses Thema gestoßen bin. Längst haben sich eine Vielzahl von Experten (und solche, die sich dafür halten) mit dem Thema Chloroquin und Covid-19 auseinandergesetzt. Leider haben sie dabei das ein oder andere ernüchternde Detail ans Tageslicht gebracht.

Dieser exzellente Blogeintrag von Leonid Schneider fasst die schwerwiegendsten Vorwürfe an der Studie und dem Kopf dahinter sehr gut zusammen. So scheint der Wissenschaftler, oder zumindest einige seiner Mitarbeiter, in der Vergangenheit dem Einsatz von Photoshop zur Aufbesserung gewisser Daten, nicht abgeneigt gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass die oben erwähnte Studie, gewisse Mängel aufweist. Ein tatsächlicher Beweis für die heilende Wirkung von Chloroquin im Bezug auf Covid-19 wurde jedenfalls noch lange nicht erbracht.

Fast so interessant, wie die mögliche Wirkung von Chloroquin auf Patienten mit Covid-19 ist aber die sprunghaft angestiegene Nachfrage nach diesem Medikament. Die indische Regierung, bzw. Teile der Bevölkerung etwa scheinen so von seiner Wirkung überzeugt zu sein, dass gleich ein Exportverbot verhängt wurde. Elon Musk hat bereits öffentlich sein Interesse an Chloroquin bekundet. Der Präsident der USA pries es gar an. Ein Ehepaar aus Arizona ging noch weiter und vergiftete sich selbst mit Fischtankreiniger, in der Hoffnung, dass das darin enthaltene Chloroquin sie heilen würde.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, welche Blüten dieser Hype wohl noch treiben könnte? Chloroquin wurde 1934 entdeckt. Sein Patent ist somit längst abgelaufen. Es könnte somit von einer Vielzahl von Herstellern/Anbieter verkauft werden. Deren Qualitätsstandards sind möglicherweise nicht immer so hoch, wie sie sein sollten. Gefälschte Medikamente sind leider ein bekanntes Problem. Eine andere Frage ist die preisliche Entwicklung: 2015 kostete eine 500 mg Tablette Chloroquinephosphat ca. 5,30 US-Dollar. Medikamente werden im Laufe der Zeit oft billiger. Hier könnte es umgekehrt sein. Hinzu kommt, dass die Chemikalie recht haltbar ist – was es möglich macht, sie zu bunkern. Gefriergetrocknet hält Chloroquin bei Zimmertemperatur ganze 2 Jahre. Es ist damit nicht ganz so unvergänglich wie Gold. Dessen Preis steigt jedoch momentan enorm und von einem Kauf ist daher eher abzuraten. Wie uns die Krise lehrt, neigen Menschen in Extremsituationen dazu, die seltsamsten Dinge zu horten (Stichwort Klopapier). Wer weiß, wie es mit Chloroquin weitergehen wird. Immerhin: Experten sehen keine unmittelbare Inflationsgefahr durch die Coronakrise. Bis auf weiteres wird in Europa wohl der Euro das Hauptzahlungsmittel bleiben.

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