Wake up, Samurai. We’ve got a city to burn.
Keanu Reeves im Trailer von Cyberpunk 2077
![]()
Diese Serie ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Sie basiert auf einem Videospiel, das wiederum auf einem Pen-&-Paper-Rollenspiel basiert. Das namensgebende Genre entstand in der Literatur der 1980er Jahre. Viel moderner geht es also nicht.
Modern ist auch die Geschwindigkeit der Serie. Die Beziehungen zwischen vielen Charakteren werden in einer einzigen Episode erörtert. Mehr Zeit bleibt auch nicht, denn am Ende ihrer Einführungsepisode sind viele der Charaktere auch schon wieder verschwunden. Trotzdem wirkt Cyberpunk-Edgerunners niemals abgehackt. Geschwindigkeit ist das Motto der Serie und alles an ihr ist darauf abgestimmt. Eine Actionsequenz jagt auf die andere, ohne dass es zu Wiederholungen kommt. Die Sprüche der Charaktere sind so flott wie der Plot. Dieser ist simpel, aber geradlinig. Der Protagonist David kommt aus einer unteren sozialen Schicht und wird halb freiwillig zum Mitglied einer Bande, die irgendwo zwischen Söldnertum und Robin-Hood-Räuber-Romantik schwebt. Er arbeitet sich schnell nach oben, bis gewisse Mächte auf ihn aufmerksam werden.
Das klingt simpel. So simpel, dass man nebenbei kaum mitbekommt, wie man in eine komplett neue Welt – samt neuartiger Technologie – eingeführt wird. Mit der Sprache verhält es sich ähnlich. Die Charaktere werfen sich gegenseitig eine kreative Beleidigung nach der anderen um die Ohren, sodass kaum auffällt, dass sie haufenweise neues Vokabular benutzen. Clockwork Orange lässt grüßen.
Cyberpunk-Edgerunners ist eine Serie, die oberflächlich tut, während sie ganz nebenbei Tiefe vermittelt. So wird die grelle, schnelle und scheinbar lockere Welt der Serie von einer tiefen Traurigkeit durchzogen.
Es ist diese erzählerische Effizienz, die die Serie so besonders macht. Sie ist vollgeladen, ohne jemals überladen zu wirken. Phasenweise übertreibt sie es mit der Bildgewalt allerdings ein wenig. So sind explizite Gewaltszenen, in denen Körperteile durch die Gegend fliegen, sind keine Seltenheit. Und auch die Erotik kommt nicht zu kurz. Die Serie brennt vor den Augen der Zuseher ein Feuerwerk ab und lässt dabei wenig aus. Wer sich aber davon nicht beirren lässt, den erwartet eine erzählerische Dichte, die ihres Gleichen sucht.