Löst die Atomkraft die Klimakrise endgültig?

Will die Menschheit das Problem Klimawandel in den Griff bekommen, so macht dies zwangsweise eine Umstellung der Energiepolitik erforderlich. 2015 betrug der Anteil, jener Elektrizität, welche aus fossilen Brennstoffen gewonnen wurde, ca. 65 %.

Ein Teil jener Personen, die diesen Wert gerne sinken sehen würde, setzt ihre Hoffnungen in die Kernkraft. Derzeit existieren ca. 440 Kernreaktoren, welche etwa 10 % der weltweiten Stromproduktion übernehmen. Im Vergleich dazu generieren Kohlekraftwerke 38 %. Man müsste die Anzahl entsprechender Anlagen, also deutlich erhöhen, wenn diese den klassischen Verbrennungskraftwerken, den Rang ablaufen sollen. Genauer gesagt, ginge es um den Bau neuer Reaktortypen, welche den existierenden deutlich überlegen sein sollen. Eine dieser Technologien, ist der Laufwellenreaktor. Mit Bill Gates und dem von ihm gegründeten Unternehmen TerraPower hat er bereits finanzkräftige Unterstützung hinter sich.

An der Tauglichkeit dieser Idee scheiden sich die Geister. Es gibt jeweils eine Reihe von Argumenten für und gegen den Einsatz von Laufwellenreaktoren. Meiner persönlichen Einschätzung nach, überwiegen die Nachteile deutlich. Es gibt allerdings seriöse Quellen, welche die Kernkraft an sich, als sicherste Form der Stromerzeugung auszeichnen.

Ungeachtet der technischen Probleme, bzw. deren Lösungen, würde eine Erhöhung der Zahl von Kernreaktoren auch die Verfügbarkeit von spaltbarem Material steigern. Ein Laufwellenreaktor produziert beispielsweise neben Strom auch Plutonium (mehr, als er verbrauchen würde).

Auf dieser Karte sieht man die aktuelle Verteilung von Kohlekraftwerken auf der Welt. Wie sähe eine Welt aus, in der diese Anlagen alle durch Laufwellenreaktoren ersetzt werden würden? Sicher, einige der betroffenen Länder verfügen bereits über Kernkraftwerke – manche sogar über Atomwaffen. Und deren Zahl könnte steigen. Mit Hilfe eines plutoniumproduzierenden Reaktors wäre man zumindest der Beschaffung von Kernwaffen ein Stück näher.

Interessanterweise würde dadurch die Welt nicht zwingend unsicherer werden. Tatsächlich wurde noch kein Land, dass über Kernwaffen verfügt, von einem anderen invasiert. Rein historisch betrachtet, ist die nukleare Aufrüstung also eine friedensfördernde Maßnahme. Allerdings wäre dieser Frieden in der Vergangenheit schon um ein Haar einem Atomkrieg gewichen.

Nüchtern betrachtet, ist der Massenbau von neuartigen Kernkraftwerken derzeit rein fiktiv. Momentan existiert noch kein einziger Laufwellenreaktor.

Wenn es sie aber eines Tages in ausreichender Stückzahl gäbe: Würden sie die Welt sicherer, oder sehr viel unsicherer machen?

Nachsatz am Rande: Wie jede weltweit geführte Diskussion, bringt auch das Ringen um Auswege aus der Klimakrise so manches kuriose Faktum ans Licht. Forscher am Carnegie Institution’s Department of Global Ecology etwa fanden heraus, dass Dschinghis Khan der Erderwärmung nicht unwesentlich entgegengewirkt hat. 700 Mio Tonnen an Kohlenstoff sollen durch seine Feldzüge von der Atmosphäre zurück in den Boden gelangt worden sein. Der Großteil davon entfällt auf Bäume, die durch die Entvölkerung ganzer Landstriche ungestört nachwachsen konnten. Korrekterweise muss man an dieser Stelle hinzufügen, dass niemand vorschlägt, es dem großen Mongolenherrscher gleichzutun. Die Weltbevölkerung um 11 % zu reduzieren, ist alles andere, als empfehlenswert.

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