Die besten animierten Sci-Fi-Serien: Cowboy Bebop (1998)

Cowboy Bebop fungierte für viele deutschsprachige Animefans quasi als Einstiegsdroge. Sicher, das Nachmittagsprogramm auf RTL2 gab es schon länger. Aber wer Anime sehen wollte, die sich an ein älteres Publikum richteten, dem blieb im Jahre 2003 nicht viel anderes übrig, als das Nachtprogramm von MTV zu schauen. Dort fand damals die deutsche Erstausstrahlung statt.

Aber worum geht es in der Serie? Nun, im Jahr 2071 ist die Erde unbewohnbar, dafür hat sich die Menschheit auf das Sonnensystem ausgebreitet und die übrigen Planeten besiedelt. Leider breiten sich Kriminalität und organisiertes Verbrechen ebenfalls aus. Deshalb erlebt der Beruf des Kopfgeldjägers eine neue Blüte. Die Protagonisten von Cowboy Bebop sind genau das. Mit ihrem Schiff, der Bebop durchqueren sie das Sonnensystem, immer auf der Jagd nach dem nächsten Gesetzesbrecher. Dieser muss lebendig gefangen werden, sonst gibt es keine Prämie.

Dieses Setting zieht sich durch alle 26 Episoden und sogar den Kinofilm von Cowboy Bebop. Ein Kopfgeld wird verlautbart und die Protagonisten machen sich auf die Jagd. Der Plot wird dabei fast immer im Laufe einer Episode abgeschlossen – nur 5 Folgen weisen eine zusammenhängende Handlung auf, der Rest ist episodisch.

Trotzdem wirkt Cowboy Bebop zu keinem Zeitpunkt repetitiv. Dafür sorgt alleine der Soundtrack. Jede Episode hat nämlich ihren eigenen Musikstil. Folgerichtig tragen die Folgen Titel wie „Asteroid Blues“, „Heavy Metal Queen“, oder “Jupiter Jazz“. Ich kenne tatsächlich keine Serie, die derart viele Musikgenres beinhaltet wie Cowboy Bebop.

Ihr seht schon, der Produktionswert der Serie ist sehr hoch. So war Cowboy Bebop eine der letzten Anime, die noch von Hand gezeichnet wurden. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, aber diese Art der Animation altert fast immer besser als CGI.

Die Synchronisation ist ebenfalls auf hohem Niveau – was für animierte Serien aus dieser Zeit nicht selbstverständlich ist. Wenn ihr selbst einen Vergleich anstellen wollt, so hört euch abwechselnd Ausschnitte aus der englischen Sprachversion von Dragon Ball Z und Cowboy Bebop an. Der Unterschied ist gewaltig.

Die Dialoge sind ebenfalls ausgezeichnet vielseitig. Die Palette reicht von Schlagabtauschen, kantigen Onelinern, emotionalen Ausbrüchen bis hin zu melancholischen Monologen und sogar philosophischen Ausführungen.

Und wo wir beim Thema Philosophie sind: Kaum eine andere Serie vermag tiefgründige Konzepte derart locker zu präsentieren. So müssen sich die Charaktere immer wieder fragen, ob ihre gefühlte Wirklichkeit tatsächlich echt, oder ob das Leben selbst nicht bloß ein Traum ist. Dazu passend erleiden die Protagonisten ungewöhnlich oft eine Niederlage, mit der sie sich abfinden müssen.

Ihr sieht schon: Die größte Stärker von Cowboy Bebop liegt in ihrer Vielseitigkeit. Die Stimmung kann innerhalb von einer Episode von fröhlich über Nachdenklich bis tieftraurig wechseln, ohne dass dieser Wechsel jemals abgehackt wird.

Dazu passend ist der Hauptcharakter Spike Spiegel einerseits der Inbegriff von Cool – Ein Revolverheld mit lässigen Sprüchen und Nahkampffähigkeiten die an Bruce Lee angelehnt sind. Andererseits ist er von einer tiefen Traurigkeit und Perspektivenlosigkeit gezeichnet – ein einsamer Cowboy dessen Prärie der Weltraum ist.

Es ist dieses Wechselbad von Gefühlen in Kombination mit einem ganz allgemein hohen Produktionswert, die Cowboy Bebop zu einem ewigen Klassiker machen.

Heutzutage kann man die Serie unter anderem bei Netflix konsumieren. Dort wagte man sich auch an eine Realverfilmung. Diese kann ich aber nicht empfehlen, da sie viele der besten Elemente der Serie einfach abänderte.

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