ICH HABE KEIN ANTIMEMETIK FAZIT

Von allen Sci-Fi Büchern, die ich bislang gelesen habe, ist dieses am schwersten zu bewerten: „There is no antimemetics division“ oder auf Deutsch: „Wir haben keine Animemetik Abteilung“.

Warum fällt es mir so schwer, dieses Werk zu bewerten? Nun, es ist ein Werk der Extreme. Dort wo es punktet, brilliert es. Dort wo es schwächelt, frustriert es. An dieser Stelle eine kleine Spoilerwarnung. Ich versuche diese auf ein Minimum zu reduzieren, aber ganz lassen sie sich nicht vermeiden. Ihr werdet gleich sehen, warum.

Fangen wir mit der Stärke an: Die Idee ist genial. Wortwörtlich. Sie nimmt Anleihen an Platons Welt der Ideen. Diese existieren im Roman nicht nur bildlich, sondern tatsächlich. Sie überschreiten also die Grenze zur Welt der Dinge. Folglich können sie Menschen nicht nur beeinflussen und auf gewisse Gedanken bringen, sondern sie regelrecht in Besitz nehmen und im Extremfall sogar töten. So weit so gut. Aber es geht weiter. In der Welt des Romans gibt es auch reverse Ideen – die titelgebenden Antimemes. Diese verbreiten sich nicht, sondern sorgen aktiv für ihre Geheimhaltung. Analog zu einem sehr komplizierten Text, den man sich einfach nicht merken kann, ist es unmöglich sie länger im Gedächtnis zu behalten oder überhaupt zu bemerken.

Der Antagonist ist ein solches Antimeme. Er tötet Menschen, die sich seiner bewusst werden. Es gibt nun eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat den Rest der Welt vor solchen Auswirkungen zu schützen. Wie aber bekämpft man etwas, an dass man sich nicht erinnern soll, weil die Erinnerung daran tödlich ist?

Ein geniales Dilemma. Leider wird es nicht zufriedenstellend aufgelöst.

Und hier sind wir leider beim größten Schwachpunkt angelangt: Der Handlung, beziehungsweise dem Roten Faden. Es gibt Bücher, die haben einen solchen bewusst nicht und bleiben fragmentiert. Ähnlich wie eine Serie, die aus einzelnen Episoden besteht, die inhaltlich nicht zusammenhängen. Das ist legitim. Problematisch wird es aber, wenn man so tut, als gäbe es eine Handlung und kann dann nicht liefern. Oder nur durch Tricksereien.

Immer wieder werden Regeln die der Autor in einem Kapitel selbst aufstellt in einem folgenden gebrochen. So will der Antagonist doch nicht unentdeckt bleiben, sondern die Welt verändern und beherrschen indem es jeden Menschen infiziert. Das Antimem ist also eigentlich ein Mem. Zumindest, wenn der Autor es so will. Manchmal stirbt eine infizierte Person direkt bei Kontakt, dann wieder nicht. Und die Protagonisten sind seltsam immun gegen beides.

Gut, man könnte jetzt einen Vergleich zur Mafia ziehen. Die will ihre Geschäfte auch unentdeckt abwickeln. Trotzdem will sie immer reicher und mächtiger werden. Folgerichtig tötet sie nur, wenn ihre Entdeckung für sie zum Problem wird. Aber die Widersprüche hören hier ja nicht auf. So soll der Antagonist eine reine Idee sein. Also etwas, dass stofflich nicht existiert, und nur indirekt durch die Beeinflussung denkender Wesen handeln kann. Gleichzeitig hat es aber eine Gestalt. Es kann Menschen hochheben, die Umwelt verändern, etc. Manchmal ist es Monster, dann wieder Idee. Manchmal kann es für sie unüberwindbar Hindernisse doch überwinden. – wie es der Autor gerade braucht. Eine Erklärung bleibt er uns aber jedes Mal schuldig. Das Gleiche gilt für Technologien, die aus dem nichts eingeführt werden. Eine Bombe, die alles vergessen macht? Ja, die gibt es einfach. Oh und die Technologie dafür existiert schon mindestens seit dem 2. Weltkrieg. Wahrscheinlich schon länger. Oh und entwickelt wurde sie von einer Organisation, die seit Jahrzehnten, vielleicht auch Jahrhunderten existiert, gewaltige Bauwerke auf der ganzen Welt errichtet, über unendlich viel Geld verfügt und laufend neue Mitarbeiter rekrutiert. Aber sie ist total geheim und kein Außenstehender bekommt etwas von ihr mit.

Schon klar, in der Phantastik müssen immer wieder Annahmen gemacht werden. Etwa, dass es lebensfreundliche Planeten gibt und die Menschheit die enorme Distanz zwischen ihnen und der Erde irgendwie überwinden kann. Gute Sci-Fi versucht aber zumindest irgendwelche Erklärungsversuche anzubieten. So zu tun, als wäre das nicht notwendig, ist nicht genial – es ist aufgeblasen. Ähnlich einem postmodernen Philosophen der mit großen Worten von der Leere seiner Lehre ablenken will, wirft der Autor mit Ideen um sich. Und ja, ich weiß, dass dem Buch ein Wiki zugrunde liegt. Aber das Werk erhebt Anspruch ein zusammenhängender Roman zu sein, keine Sammlung von Kurzgeschichten.

Aber wie so mancher Postmodernist, zieht einen das Buch trotzdem in seinem Bann. Ich selbst habe es in kurzer Zeit ausgelesen und ich fühlte mich dabei unterhalten. Wobei dies nicht am Schreibstil lag. Denn objektiv betrachtet, ist dieser schlecht. Die Dialoge sind minimalistisch und die meisten Charaktere so farblos, dass man Probleme hat, mitzubekommen, wer gerade spricht. Show don´t tell wird immer wieder ignoriert. Immer wieder wird dem Leser ausgerichtet, wie intelligent die Protagonistin nicht ist und dass nur sie die Welt retten kann.

.Ist „There is no Antimemetics Division” also ein schlechtes Buch? Nein, dazu ist es viel zu packend. Aber ist es ein gutes Buch? Nein, dazu hat es zu viele, zu eklatante Schwächen. Was ist es dann? Tja, es gibt kein Fazit.

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