Was würde auf der Venus leben?

Die Argumente für und gegen das Vorhandensein von Leben auf dem Planet Venus gibt es einige. Ein steriler Planet ist natürlich weniger spannend, als ein bewohnter. Um die Sache also interessanter zu gestalten, überspringe ich die Frage und gehe gleich zur nächsten: Welche Eigenschaften müsste ein Venusianer aufweisen?

Mangels Alternativen nehme ich mir irdische Organismen als Vorbild. Praktischerweise (traurigerweise?) schränkt dies den möglichen Lebensbereich auf der Venus gleich deutlich ein. Der aktuelle Weltrekordhalter in puncto Hitzebeständigkeit, schafft es stolze 2 Stunden bei 130° C zu überstehen, während er bei 121° C sogar noch gedeiht.  Beeindruckend, aber bei weitem nicht ausreichend: Auf der Planetenoberfläche herrschen 464° C. Also ab in die Atmosphäre. Erst ab ca. 45 km Höhe fällt dort die Temperatur unter 130° C. Man muss allerdings erwähnen, dass selbst der irdische Temperaturrekordler von flüssigem Wasser umgeben ist (er wächst an heißen Quellen am Boden des Pazifik. Das grenzt den möglichen Lebensbereich ein Stück weiter ein: Auf eine Höhe von ca. 50 – 60 km über der Oberfläche. Dort gibt es sogar Wolken – die zu 75 – 96 % aus Schwefelsäure bestehen. Eine venusianische Zelle müsste also mit einem pH-Wert von 0 zurechtkommen. Tatsächlich gibt es ein irdisches Lebewesen, dass dies schafft: Das zur Gattung der Archaea (Urbakterien) gehörige Ferroplasma acidarmanus. Die Zelle kommt in Ausflüssen von Eisenminen vor. Diese besitzen neben dem namensgebenden Element auch einen hohen Anteil an Schwefel (siehe Katzengold). Von letzterem gibt es in den Wolken der Venus ebenfalls genug. Eisen scheint ebenfalls vorhanden zu sein (wenn auch in geringen Mengen). Der Venusianer müsste das Schwermetall allerdings halbwegs verlustfrei speichern können – aber das wäre bewältigbar. Stickstoff, ein weiteres lebensnotwendiges Element scheint ebenfalls in ausreichender Menge vorhanden zu sein. Was fehlt ist freier Sauerstoff – aber damit käme Ferroplasma acidarmanus klar.

Die wahrscheinlich größte Herausforderung stellt jedoch der Mangel an Wasser dar. Die Wolken der Venus bestehen daraus zu max. 25 %. Ferroplasma acidarmanus aber hat es gerne nass. Doch auch konzentrierte Schwefelsäure „liebt“ Wasser: So sehr, dass sie es anderen Stoffen auf molekularer Ebene entreißt: Tropft man konzentrierte Schwefelsäure auf ein Stück Zucker, entzieht sie dem Kohlehydrat die zweite Worthälfte: Übrig bleibt nur Kohle. Säureverträglichkeit alleine reicht also nicht.

Wer auf der Venus überleben will, müsste dieser chemischen Trocknung irgendwie widerstehen. Zumindest auf der Erde hat man eine solche Zelle bisher noch nicht gefunden. Bis auf weiteres bleibt der Venusianer somit fiktiv – relativ fiktiv eben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.