Leben auf der Venus? Pro und Kontra

Momentan wird verstärkt darüber diskutiert, ob Leben auf unserem Nachbarplaneten Venus existiert. Genau genommen, ist diese Diskussion allerdings schon etwas älter: Eine Publikation aus dem Jahre 1970 etwa erörterte bereits die Frage, ob Algen auf der Venus gedeihen können. Interessanterweise kamen die Autoren zu dem Schluss, dass dies möglich sei. Ich habe hier einige der schlagendsten Argumente für und gegen das Vorhandensein von Lebewesen auf der Venus zusammengefasst:

Pro 1: In Wolken auf der Venus fand man Phosphin
Auf der Erde wird dieses Gas von bestimmten Mikroorganismen (und von der chemischen Industrie) produziert. Tatsächlich ist es in unserer Atmosphäre in nachweisbaren Spuren vorhanden. Eine Bildung von Phosphin ohne Lebewesen erscheint dagegen eher unwahrscheinlich. Zum einen ist die Herstellung energieaufwändig, zum anderen ist Phosphin wenig stabil. An der Luft (der irdischen Luft) kann es sich sogar spontan selbst entzünden. Forscher haben nun Phosphin in den Wolken der Venus nachgewiesen. Wenn es nicht von Lebewesen erzeugt wurde, wie ist es dann dort hingekommen? 

Kontra 1: Phosphin fand man auch auf Jupiter und Saturn
Ganz so ungewöhnlich ist die Bildung von Phosphin scheinbar doch nicht. Im Zuge der Weltraummission Cassini-Huygens fand man Spuren davon auf Jupiter und Saturn. Entweder entstand das Gas also durch die Einwirkung von Licht (photochemische Prozesse), oder man muss auch auf unseren Gasriesen nach Leben suchen. 

Kontra 2: Zumindest die Planetenoberfläche ist lebensfeindlich
Wenn überhaupt, so sollten Organismen nur in der Atmosphäre des Planeten gedeihen können. Das engt deren möglichen Lebensbereich schon recht stark ein. Die Oberfläche der Venus kommt einer bildlichen Hölle nämlich recht nahe: Sie ist nämlich permanent glühend heiß. Da flüssiges Wasser sich auf heißen Steinen nicht sonderlich lange hält, gibt es auch keine Gewässer. Dann wäre da noch der „Luftdruck“ (wenn man das Wort „Luft“ für die Venus akzeptiert): Er ist etwa 90 mal höher als jener auf der Erde. Bedingt durch die sehr dichte Atmosphäre ist es weiter unten auch recht dunkel: Nur etwa 2 % des einfallenden Sonnenlichts erreichen Tatsächlich den Boden. Dunkel, trocken, heiß und stickig – die Planetenoberfläche der Venus ist tatsächlich relativ höllisch. 

Kontra 3: Die Venus liegt außerhalb der habitablen Zone
Ohne flüssiges Wasser, kein Leben – zumindest keines, wie wir es kennen. Damit auf einem Planeten aber das Element des Lebens existieren kann, muss sich dieser in einer bestimmten Entfernung zu seiner Sonne befinden. Ist er zu nahe, verdunstet jede Feuchtigkeit, ist er zu weit weg, gefriert sie. Man spricht von der habitable Zone – jenem Abstandsbereich zu einem Stern, in dem sich ein Planet befinden muss, wenn darauf dauerhaft flüssiges Wasser vorliegen soll. Die Erde erfüllt diese Voraussetzung offensichtlich. Der Mars auch. Die Venus nicht. Die Sonne ist zu nah. Bald (astronomisch gesprochen) kommt sie sogar noch näher.  

Pro 2: Pfeiff auf den Boden – es gibt ja noch eine Atmosphäre
Eine interessante Publikation argumentiert, dass es in der Atmosphäre der Venus Bedingungen herrschten, die zumindest Mikroorganismen das Leben ermöglichen. In den oberen Schichten von Wolken vermutet man Eiskristalle. Diese könnten in den wärmeren, „unteren“ (sie sind immer noch hochgelegen) Gegenden schmelzen. Man geht dort von Temperaturen von mindestens ca. 7° C aus. Der Luftdruck entspricht mit ca. 1 atm sogar dem auf der Erde (am Boden wohlgemerkt – so weit oben ist irdische Luftdruck natürlich weit geringer). Licht für die Photosynthese wäre ebenfalls genügend vorhanden.

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