Was ist so genial am anthropischem Prinzip?

Es gibt viele Theorien, die ich für genial halte, obwohl ich sie nicht verstehe. Und es gibt Gedankengänge, von denen ich nicht verstehe, was an ihnen genial sein soll. Das anthropische Prinzip fällt in die zweite Kategorie. Es besitzt einige prominente Anhänger. Richard Dawkins etwa preist es in seinem Buch „Der Gotteswahn“.

Das Prinzip lautet sinngemäß folgendermaßen: Gäbe es in unserem Universum kein intelligentes Leben, könnte es von diesem auch nicht beobachtet werden. Da wir Menschen unser Universum aber beobachten, müssen wir auch existieren. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben ist, ist also irrelevant. Schließlich fehlt all den leblosen Universen ein Beobachter, um deren Existenz zu beglaubigen. Wir können sie somit ausklammern.

Für mich stinkt das nach einem Zirkelschluss. Es wird einfach davon ausgegangen, dass wir das „echte“ Universum tatsächlich beobachten können. Aber wir könnten genauso gut in einer bloßen Simulation leben. Ob dem so ist, lässt sich weder beweisen, noch widerlegen. Ebenso wenig widerlegen lässt sich die Existenz eines allmächtigen Schöpfers. Wäre unser Universum gezielt erschaffen worden, fiele das anthropische Prinzip in die Bedeutungslosigkeit. Das Gleiche gilt für die Annahme, es gäbe Multiversen, in denen ebenfalls intelligente Beobachter leben. Vielleicht leben wir ja bloß in einem „Nebenuniversum“ während wir von den „Hauptuniversen“ nicht einmal etwas mitbekommen.

Wir sehen also: Warum unser Universum Lebewesen (genauer gesagt uns Menschen) hervorgebracht hat, ist im Wesentlichen eine Glaubensfrage. Ich will damit selbstverständlich nicht die Evolutionstheorie angreifen. Tatsächlich kann die weitgehend bewiesene Theorie der natürlichen Selektion keine starke Aussage über Vorgänge außerhalb der Erde treffen. Schließlich ist es unbewiesen, ob so etwas wie „Natur“ auf anderen Planeten überhaupt vorliegt – von intelligentem Leben ganz zu schweigen. Manchen seriösen Stimmen zufolge, kann man getrost davon ausgehen, dass wir Menschen allein im Universum sind.

Fairerweise muss man hinzufügen, dass es für das anthropische Prinzip irrelevant ist, wie viele intelligente Beobachter es gibt. Im besten Falle aber ist es eine simple Tautologie (hier ein amüsantes Beispiel des Machers von xkcd). Auch die Anzahl seiner Anhänger ändert für mich nichts daran. Schließlich haben sich auch genügend Menschen von Gottesbeweisen überzeugen lassen. Ich bin selbst Theist, erkenne aber an, dass dies eine reine Frage des Glaubens ist. Hier gibt es nichts zu beweisen und nichts zu widerlegen. Streng genommen ist die Gotteshypothese daher gar keine – das anthropische Prinzip ebenso wenig. Somit erscheint es mir nicht viel mehr, als ein zum Theismus (oder Deismus) alternativer Glaubensgrundsatz zu sein. In diesem Zusammenhang halte ich aber die Simulationstheorie für kreativer.

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