Die unendliche Maschine

Hauptinspirationsquelle für diese Kurzgeschichte waren die PhD-Comics.

Regungslos starrte Zach auf die hohe, gläserne Tür vor sich. Ein Mann Ende zwanzig, mit angespannten Gesichtsmuskeln, starrte zurück. Die schlanke Dokumentenmappe vor seiner Brust hatte er so fest umklammert, dass man meinen könnte, sie hielt ihn und nicht umgekehrt. Vom Anblick seines eigenen Spiegelbilds irritiert, klemmte Zach die Mappe unter seine rechte Achsel. Das ließ ihn immerhin etwas weniger angespannt wirken. Zach holte noch einmal tief Luft und trat dann ein. Die junge Empfangsdame schien sofort Bescheid zu wissen. Eilig, aber ohne dabei gehetzt oder gar unfreundlich zu wirken, wies sie Zach in Richtung des Büros seines Vorgesetzten – seines MÖGLICHEN Vorgesetzten, wie eine Stimme in Zachs Kopf nicht müde wurde, zu betonen.

Das Büro des Professors war erstaunlich aufgeräumt. Zach hatte bereits ausreichend Zeit an Forschungsinstituten verbracht, um zu wissen, dass dies alles andere als selbstverständlich war. Schreibtische, die von Bergen von Dokumenten und Stapeln von Fachbüchern belagert wurden, waren eher die Norm, als die Ausnahme. Der Professor schien diesem Trend jedoch nicht zu folgen. Außer einem Laptop mit Dockingstation war die Platte des Schreibtisches fast leer. So leer, dass sich bei dem Gedanken ertappte, man hätte extra wegen ihm hier aufgeräumt.

„Guten Tag Herr Zach“, streckte ihm der Professor lächelnd die Hand entgegen. „Felix Pappenmeier. Danke, dass Sie gekommen sind.“

„Danke für die Einladung.“ Zögerlich erwiderte Zach den Gruß. Professor Pappenmeier zog es offensichtlich vor, seine Bewerbungsgespräche in lockerer Atmosphäre zu führen. Leider wollte diese Gelassenheit nicht so recht auf Zach überspringen.

„Bitte setzen Sie sich.“ Pappenmeier wies mit seiner Hand auf einen von zwei Sesseln an seinem Schreibtisch. „Legen Sie Ihre Sachen einfach hier irgendwo ab.“

„Danke.“ Zach nahm wie geheißen Platz, behielt seine Mappe jedoch nach wie vor fest unter seiner Achsel geklemmt. Während sie ihm vor kurzem jedoch noch als Stütze gedient hatte, fühlte sie sich nun elendig schwer an. Trotzdem schien sich Zach nicht von ihr trennen zu können.

„Möchten Sie noch einen Blick auf meinen Lebenslauf werfen?“, presste er hervor. Bevor er seine Bewerbungsunterlagen einfach ablegte, zwang ihn sein Gewissen dazu, sicherzustellen, dass er sie nicht umsonst mitgebracht hatte.

„Danke, Sie haben mir ja bereits alles geschickt, was ich wissen muss.“ Professor Pappenmeier lächelte gutmütig. Trotz seinem freundlichen Gesicht, konnte jedoch kein Zweifel darüber bestehen, dass er diese Frage für ausgesprochen dumm hielt. Mit zusammengepressten Lippen legte Zach seine Mappe bei Seite.

„Lassen Sie mich kurz erklären, worum es bei diesem Projekt geht.“ Professor Pappenmeier drückte eine Taste an seinem Laptop. „Multiresistente Bakterien fordern in Europa jedes Jahr etwa 25 000 Todesopfer.“ Er zeigte mit dem Finger auf ein Diagramm am Bildschirm vor sich. „Dies ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Aus Indien erreichen uns Berichte über Keime, die selbst gegen die derzeit verfügbaren Reserveantibiotika immun sind. Stellen Sie sich das vor!“ Seine Stimme hob sich. „Es besteht also ein enormer Bedarf an neuen Medikamenten.“ Zach nickte eifrig. Er war bereits längst überzeugt gewesen.

„Hier an diesem Institut gelang uns die Entdeckung eines Proteins, dem Devastatin. In ersten Versuchen konnten wir eine starke bakteriozide Wirkung zeigen.“ Pappenmeier machte eine Pause, als erwartete er sich einen Kommentar.

„Ich habe die Publikation gelesen“, reagierte Zach prompt. „Das war eine hochspannende Arbeit.“ Es war nicht geheuchelt.

„Ja, nicht wahr?“ Die Augen Pappenmeiers leuchteten. „Alexander hat letztes Jahr das Institut leider verlassen und wir suchen nach einem Nachfolger, der seine Arbeit fortsetzt.“ Der Professor senkte seine Stimme: „Ich habe gelesen, dass sie über reichlich Erfahrung im Bereich der Proteinaufreinigung verfügen.“

„Ja“, hauchte Zach. „Reichlich“ war ein dehnbarer Begriff. Zach hatte während seines Masterpraktikums mit verschiedensten Aufreinigungstechniken gearbeitet. Wenn er ganz ehrlich war, wusste er nicht, ob diese Erfahrung ausreichend für diese Stelle war. Er wusste jedoch, dass dies der denkbar ungünstigste Moment war, um falsche Bescheidenheit zu zeigen.

„Gut.“ Pappenmeier klang erfreut. „Ihre Aufgabe wäre es ausreichende Mengen Devastatin für eine anschließende Kristallisation und Strukturanalyse herzustellen.“ Er machte eine erneute Pause. „Trauen Sie sich das zu?“

Zach bejahte erneut – diesmal eine Spur selbstbewusster.

„Ausgezeichnet.“ Der Professor klang ehrlich zufrieden. „Ich muss Sie aber darauf hinweisen, dass die Arbeitszeiten in der Wissenschaft fordernder sind, als jene in der Privatwirtschaft. Sie werden Bakterienkulturen auch schon einmal am Wochenende ansetzen müssen.“

„Damit habe ich kein Problem. Für die Wissenschaft muss man das ein oder andere Opfer erbringen“, antwortete Zach voller Überzeugung.

„Sehr gut.“ Der Professor nickte anerkennend. „Dann lassen Sie uns in ein paar Wochen noch einmal über alles reden. Sie wissen ja, es gibt mehrere Bewerber.“

„Gerne“, hauchte Zach. Es würde eine Zeit dauern, bis er sich an die direkte Art Professor Pappenmeiers gewöhnte.

„Wunderbar. Auf mich wartet leider eine dringende Konferenz. Ich muss mich also an diesem Punkt von Ihnen verabschieden.“ Pappenmeier erhob sich von seinem Sessel und ging Richtung Tür. Zach tat es ihm gleich. „Wir melden uns demnächst bei Ihnen. Lassen Sie sich von Frau Spiegel noch kurz durch das Labor führen.“ Er streckte seinen Kopf zur Tür hinaus. „Martina! Bitte führe Herrn Zach kurz durch das Labor.“ Aus einem Seitengang tauchte der Körper einer Frau auf. Sie drehte ihren Kopf in Richtung des Professors, antwortete jedoch nichts. Pappenmeier schien dies als Zustimmung zu werten. „Dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Tag. Ich melde mich bei Ihnen.“ Er streckte Zach die Hand zum Abschied hin. Bevor sie dieser jedoch richtig schütteln konnte, hatte er sie bereits wieder zurückgezogen und war in seinem Büro verschwunden. Zach nahm es ihm nicht übel. Von einem erfolgreichen Wissenschaftler erwartete er nichts anders, als dass er schwer beschäftigt war.

Frau Spiegel dagegen wirkte nicht sonderlich gestresst. Sie machte weder Anstalten, auf Zach zuzugehen, noch sich zu entfernen. Stattdessen sah sie ihn lediglich über den Gang hinweg an, als wartete sie auf eine Reaktion. Aus ihrem Gesicht ließ sich jedoch nicht ablesen, was für eine Reaktion dies sein sollte. Nach einigen Momenten der Stille gab sich Zach schließlich einen Ruck und ging auf die Frau zu. Immerhin war dies sein Bewerbungsgespräch. Da war es selbstverständlich, dass er Initiative zeigte.

„Ich hoffe, Sie warten noch nicht zu lange“, versuchte Zach sich möglichst charmant vorzustellen. Er hielt ihr die Hand zum Gruße hin. „Julian Zach. Freut mich.“

„Passt schon“, wehrte Spiegel ab, ohne den Gruß zu erwidern. „Folgen Sie mir einfach.“ Zach biss sich auf die Lippe, folgte ihr aber wortlos. Er war nicht in der Position, Spitzfindigkeiten auszutauschen.

„Das ist das Mikrobiologielabor“, sagte Spiegel ohne ihre Stimme merklich zu heben. Sie zeigte auf die großen, truhenförmigen Inkubatoren. „Hier drin werden die Bakterienzellen kultiviert.“

„Alles sauber räumlich vom Hauptlabor abgetrennt, damit es zu keiner Kontamination kommt“, versuchte sich Zach an einem Lob. Spiegel wiegte wortlos den Kopf.

„Na dann weiter ins Hauptlabor“, sagte sie schließlich und ging in den nächsten Raum. Zach folgte ihr ohne zu Zögern. Frau Spiegel hatte offensichtlich im Laborbereich viel zu sagen. Er tat gut daran, es sich mit ihr gut zu stellen. Wahrscheinlich hatte die gute Frau einfach schon zu viele Bewerber erlebt, die ihren hohen Anforderungen einfach nicht gerecht geworden waren. Aber Zach würde sie schon von sich überzeugen.

Vor einem kastenförmigen Gerät, von dem eine Vielzahl an dünnen, drahtähnlichen Schläuchen ausging, blieb Spiegel schließlich stehen.

„Ah, eine HPLC-Anlage.“ Zachs Anerkennung war aufrichtig.

„Genau“, kam es lakonisch zurück. „Kennen Sie sich damit aus?“

„Ich habe im Studium etwas damit gearbeitet. Natürlich werde ich mich noch zusätzlich einlesen.“

„Das ist gut.“

„Natürlich würde ich am Anfang, ab und zu gerne Ihre fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen.“

„Jaja, Sie kriegen schon eine Einschulung von mir.“ Spiegels Stimme klang nicht sehr zustimmend.

„Ich hoffe, ich habe Sie nicht irgendwie provoziert?“, fragte Zach verlegen.

„Aber nein.“ Zum ersten Mal tauchte so etwas wie der Ansatz eines Lächelns auf Spiegels Gesicht auf. Zach atmete beruhigt aus.

„Ich habe die Publikation meines Vorgängers gelesen. Ist er zufällig zu sprechen?“ Zach wusste nicht, was die Laune der Technikerin so herabsenkte. Aber es war klar, dass er dieses Gespräch nicht zu lange führen sollte, wenn er diese Stelle bekommen wollte.

„Nein, der ist schon weg.“

„Er ist wohl ein recht guter Sprinter.“ Zach biss sich auf die Zunge. Er sollte es besser wissen, als die ohnehin schon angespannte Atmosphäre durch dumme Sprüche noch weiter zu belasten. Zu seinem Erstaunen lächelte ihn Spiegel aber nur an – und diesmal schien es ein aufrichtiges Lächeln zu sein. „Und Sie?“, fragte sie sichtlich amüsiert.

„Ach, ich bin da mehr der sitzende Denker.“

„Vielleicht sollten Sie mehr trainieren.“ Spiegel lachte neckisch. Zach stimmte in das Lachen ein, auch wenn seines stark gekünstelt klang. Immerhin hatte er das Eis gebrochen – wie er das genau bewerkstelligt hatte, darüber konnte er sich ein anderes Mal Gedanken machen.

Ein Jahr später, als Zach sich gerade auf dem Weg zu einer Besprechung mit Pappenmeier vorbereitete, musste er erneut an diese Szene denken. Inzwischen glaubte er, der Lösung näher bekommen zu sein. Freuen konnte er sich über diesen Fortschritt allerdings nicht.

„Wie sieht es aus?“, riss ihn Pappenmeiers Stimme aus seinen Gedanken. Der Professor hatte vorfreudig seine Bürotür geöffnet. Mit einer Handbewegung wies er Zach in das Zimmer.

„Ja, also…“, murmelte Zach und trat ein. Er hatte sich eine Reihe von Sätzen überlegt, mit denen er die Situation so diplomatisch wie möglich beschreiben wollte. Jetzt, aber da er sie brauchte wollte ihm partout keiner davon über die Lippen kommen.

„Ja…?“ Pappenmeier sah Zach erwartungsvoll an.

„Ich kann die Ergebnisse meines Vorgängers einfach nicht reproduzieren.“ Zach sprach es direkt an. Er brauchte diesen Befreiungsschlag.

Der Professor lehnte sich weit in seinen Sessel zurück, wobei er demonstrativ seine Lider hob. Seine Augen selbst ruhten jedoch unbeweglich auf Zach. Es kostete den Studenten alle Überwindung, dem Blick standzuhalten. Einige Momente sagte niemand etwas.

„Zeig mal her“, brach der Professor schließlich das Schweigen und lehnte sich erneut nach vorne.

Hastig schlug Zach sein mitgebrachtes Laborbuch auf. Seine Vorbereitung auf diesen Teil war besonders intensiv gewesen. Er hoffte nur, dass sie ihm nicht wie zuvor im entscheidenden Moment im Stich ließ.

„Aber das sieht doch gut aus“, kam ihm der Professor zuvor und zeigte mit seinem Finger auf ein eingeklebtes Bild. Die dort vorhandene, etwa 1 cm breite Bande könnte tatsächlich das Vorhandensein von Devastatin anzeigen – könnte. Denn leider tauchten neben ihr noch zwei weitere Banden auf.

„Das Protein spaltet sich jedes Mal bei der Aufreinigung. Egal wie sorgfältig ich auch arbeite. Dabei habe ich mich exakt an die publizierte Methodik gehalten. Darin war immer nur von einer Bande die Rede. Ich aber erhalte nie das intakte Protein.“

„Ja, mit ein paar Prozent Verlust müssen wir rechnen.“ Pappenmeier machte eine ausholende Handbewegung, als sei damit jeder Einwand vom Tisch.

„Was das betrifft…“ Zach blätterte in dem Laborbuch. „…Das hier war das mit Abstand beste Resultat. In den anderen Experimenten spaltete sich das Protein noch öfter.“ Er zeigte auf eine Grafik mit fünf Banden.

„Für den Förderungsantrag genügt uns eine Bande“, entgegnete Pappenmeier mit entwaffnender Freimütigkeit. So entwaffnend, dass Zach seinen Vorgesetzten nur schweigend ansehen konnte.

„Ich brauche den Antrag bis nächste Woche. Schicke mir die Rohversion inklusive eines Zwischenberichts einfach als Worddatei. Die Grafiken kannst du auf die passende Größe zurechtschneiden. Zu große Bilder sind ohnehin störend.“ Der Professor nickte demonstrativ. Für ihn war die Unterredung offenbar beendet. Zach aber sah die Sache anders.

„Aber was soll ich in den Antrag schreiben?“, fragte er, wobei seine Stimme einen flehenden Ton annahm.

„Na was wohl.“ Die Gelassenheit des Professors schwand merklich. „Den Zwischenstand natürlich: Theorie, Methodik, Ergebnisse und weitere Forschungsansätze. Wie man publiziert, weißt du ja hoffentlich.“

Bis vor kurzem hätte Zach diese Frage mit „Ja“ beantwortet. Doch nun plagten ihn ernste Zweifel.

„Erwähne eine Optimierung der Salzkonzentration“, schlug Pappenmeier vor, wobei er klang, als belehrte er ein kleines Kind.

„Ich weiß nicht, ob das sinnvoll wäre“, versuchte sich Zach in Diplomatie. Tatsächlich zweifelte er nicht im Geringsten an der Sinnlosigkeit einer solchen Aktion. Seit Monaten schon änderte er die Salzkonzentration – mal nach unten, mal nach oben. Mit bekanntem Ergebnis.

„Was soll das heißen?“ Die anfängliche Entspanntheit des Professors war nun vollständig verflogen.

„Ich weiß nicht, wie mein Vorgänger diese Daten generiert hat“, antwortete Zach kleinlaut.

„Die Publikation ist veröffentlicht!“ Der Professor wurde laut. „Da gibt es nichts zu diskutieren! Abgeschlossen ist abgeschlossen. Für neue Forschung dagegen brauchen wir neue Förderungen. Kapiert?“

„Jawohl“, antwortete Zach wie auf Befehl.

„Der Antrag! Inklusive Zwischenbericht. Nächste Woche!“

„Jawohl.“ Zu mehr Worten war Zach nicht mehr fähig. Auf seltsame Weise fühlte er sich an seinen Wehrdienst erinnert.

„Gut“, kommentierte der Professor und deutete mit seinem Kopf Richtung Tür. Gebückt folgte Zach der Anweisung.

Betreten sah Zach den Gang entlang. „Déjà-vu“, hauchte er. Wie bei seinem Bewerbungsgespräch war auch diesmal der Kopf von Martina am anderen Ende des Ganges aufgetaucht. Nur ihr Gesichtsausdruck war anders.

„Auf einen Kaffee?“, fragte sie sanft. Zach nahm das Angebot nur zu gerne an.

5 Minuten und eine halbe Tasse später hatte er Martina von seinem Gespräch mit dem Professor erzählt. Sie nahm einen großen Schluck von ihrem Kaffee und sah ihn schweigend an. Bei ihrer ersten Begegnung hatte dieser Blick eine anspannende Wirkung auf Zach ausgeübt. Nun wirkte er jedoch seltsam beruhigend.

„Ich muss dir etwas zeigen“, sagte sie schließlich. Bei diesen Worten zog sie einen kleinen Gegenstand aus Kunststoff aus ihrer Hosentasche. Er erinnerte entfernt an ein altes Handy. Zach aber war technikversiert genug, um den Unterschied zu erkennen.

„Ein Diktiergerät?“, brummte er überrascht. Solche Dinger sah man heutzutage selten.

„Dein Vorgänger hat eine Nachricht für dich hinterlassen. Ich musste ihm versprechen, sie dir zu zeigen, wenn du in einer solchen Situation bist. Nicht früher und nicht später.“

Zach verzog seinen Mund. Er konnte sich denken was mit „einer solchen Situation“ gemeint war. Geistesabwesend nickte er Martina zu. Eine leise Stimme ertönte:

„Hey, Nachfolger. Was macht das Devastatin, nachdem…“ Der Satz wurde durch ein abgehacktes Lachen unterbrochen. „Na, wir wissen beide, was es macht. Wenn du das hier hörst, bin ich längst weg. Sie das als Zeichen der Aufmunterung. Auch du wirst eines Tages fertig sein und dann darf der Nächste ran. Es geht alles vorüber. Bald schon hast du deinen Titel und einen anständigen Beruf. Wenn dir dein Idealismus schlaflose Nächte bereitet, denk daran: Es gibt zwei Arten von Wissenschaftlern: Die, die der Maschine neue Tricks zeigen und die, die sie einfach am Laufen halten. Es braucht halt beide. Leider weiß man vorher nie, zu welcher Gruppe man gehört.“

Martina schaltete das Gerät aus und nahm einen weiteren Schluck aus ihrer Tasse. Zach dagegen war der Durst vergangen.

„Deshalb also warst du bei meinem Bewerbungsgespräch so…“ Er suchte nach dem passenden Wort.

„Zickig?“ Martina kicherte. „Ich habe dich gewarnt. Auf meine Art.“

„Danke“, hauchte Zach kraftlos. Er meinte es ehrlich, aber ihm fehlte die Kraft es direkter zu zeigen. Stattdessen fragte er nur: „Wie viele?“

Martina legte ihm die Hand auf die Schulter. „Die Maschine ist unendlich“, sagte sie so sanft, dass es fast beleidigend klang.

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