Heilung aller chronischer Erkrankungen?

Ich bin ein regelmäßiger Leser des Wissenschaftsblogs „IN THE PIPELINE“ von Derek Lowe. Als solcher fiel mir auf, wie sich in den letzten Jahren Berichte über eine gewisse Art von Entdeckung zu häufen scheinen: Bakterien. Genauer gesagt: Bakterielle Infektionen. Noch genauer gesagt: Bakterielle Infektionen als mögliche Ursache für diverse Krankheiten. Aber der Reihe nach. In seinem Blogeintrag vom 19.09.2017 berichtete Herr Lowe von einer Entdeckung, der besonderen Art. Wissenschaftler fanden heraus, dass bestimmte Bakterien Enzyme expressionieren, welche ein für Chemotherapien eingesetztes Medikament in eine inaktive Form umwandeln können. Mit anderen Worten: Bakterien scheinen zumindest teilweise für die Behandlungsresistenz von gewissen Krebsarten mitverantwortlich zu sein. Aber es wird noch interessanter. Bei den Keimen handelt es sich um sogenannte Mycoplasmen – Bakterien die innerhalb anderer Zellen leben – in diesem Fall Krebszellen. Solche Informationen regen natürlich die Kreativität eines Sci-Fi-Autors an: Könnte es etwa sein, dass Krebs- und Bakterienzellen eine Art von Allianz eingegangen waren? Was aber wenn die Bakterien ihr „Haus“ nicht nur beschützten, sondern auch „erbauten“? Krebs hat natürlich eine Fülle von möglichen Ursachen. Alles, was das menschliche Genom verändern kann, kann auch zu Tumorwachstum führen. Dass Bakterien auf der Liste der Karzinogene zu finden sind, ist keine Neuigkeit. Bei anderen Krankheiten sieht die Sache aber anders aus: Seit Jahrzehnten bemühten sich Forscher die Entstehung von Alzheimer zu ergründen. Inzwischen mehren sich die Indizien, dass man fündig geworden ist. Die mögliche Antwort: Zahnfleischentzündung, verursacht durch Bakterien.

Doch hier hören die Neuigkeiten noch längst nicht auf. Inzwischen werden auch die Entstehungsmechanismen von Krankheiten hinterfragt, deren Ursache man eigentlich zu kennen glaubte. Lange Zeit etwa hieß es, eine Alkoholleber werde durch – nomen est omen – Alkohol ausgelöst. Doch auch hier scheinen Bakterien eine Rolle zu spielen. Ihr Fehlen könnte sogar der Grund dafür sein, wieso manche Menschen wie ein Loch saufen können, ohne ihre Leber dabei zu zerstören.

Als Sci-Fi-Autor fragt man sich natürlich, was solche Erkenntnisse für die Zukunft der Medizin bedeuten könnten. Bakterielle Infektionen sind ja grundsätzlich heilbar. Sicher, alle Krankheiten oder gar Verletzungen würde man durch eine antibakterielle Therapie nicht kurieren können. Aber was ist mit all den chronischen Erkrankungen, für die es bislang keine rechte Erklärung geschweige denn Heilung gibt? Ich denke vor allem in Richtung diverser Autoimmunerkrankungen. Letzten Endes ist unser Abwehrsystem ja (unter anderem) dazu da, um Keime zu bekämpfen. Vielleicht tut es genau das, während es leider auch gleichzeitig den Körper schädigt.

Wer weiß, vielleicht gibt es sie ja doch: Die Wundertherapie(n), mit der man alle chronischen Leiden heilen kann. Fiktiv? Natürlich, aber durchaus den ein oder anderen Gedanken wert.

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